Altersvorsorge für Freiberufler und Selbstständige

Angestellte zahlen in die gesetzliche Rentenversicherung ein, wobei sie die eine Hälfte der Beiträge tragen, die andere Hälfte übernimmt der Arbeitgeber.

Schon bei ihnen heißt es, dass die gesetzliche Rente später nicht ausreichen wird, um den gewohnten Lebensstandard zu halten.

Was ist dann erst mit Freiberuflern und Gewerbetreibenden?

Die meisten Selbstständigen verschwenden gerade zu Beginn ihrer selbstständigen Tätigkeit kaum einen Gedanken an die Altersvorsorge – es gibt momentan schließlich wichtigere Dinge!

Doch das kann ein fataler Fehler sein, denn mit der Vorsorge für das Alter sollte so zeitig wie möglich begonnen werden.

Wie kann es im Alter aussehen?

altersvorsorgeDie Frage der finanziellen Absicherung im Alter kann von niemandem völlig geklärt werden, jedoch kann durch umfassende Vorsorgemaßnahmen ein gewisser Schutz erreicht werden. 

Leider sind in der Vergangenheit so viele Rentenreformen durchgeführt worden, dass hier kaum noch jemand den Durchblick besitzt und sofort sagen kann, wie es im Alter aussehen wird.

Die Äußerungen über negative Renditen werden immer wieder laut – doch stimmt das überhaupt?

Ist die gesetzliche Rente wirklich so schlecht?
Und gibt es für Freiberufler und Selbstständige die Möglichkeit, ausreichend vorzusorgen oder muss sich jeder in gewissem Maße überraschen lassen, was später auf ihn zukommen mag?

Nicht vergessen werden darf in dem Zusammenhang, dass das gesetzliche Rentenalter angehoben wurde.

Das bedeutet, dass jeder noch länger arbeiten muss, ehe er sich zur Ruhe setzen darf.
Umgekehrt bedeutet das aber, dass auch länger Zeit ist, die Altersvorsorge als Freiberufler und Selbstständiger voranzutreiben.

Auch steuerlich gesehen hat sich einiges geändert, wobei in diesem Punkt Riester-Rente und Rürup-Rente ins Spiel kommen.

Wer im Alter also finanziell gesehen gut dastehen möchte, muss rechtzeitig vorsorgen und den Schutz auf viele Beine stellen.

Fahren Sie als Selbstständiger mehrgleisig bei der Altersvorsorge!

Sie zahlen als Freiberufler oder Selbstständiger freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung ein?

Prima, doch damit haben Sie längst nicht ausgesorgt.

Vielmehr ist es wichtig, möglichst mehrgleisig zu fahren und den Schutz bzw. die Vorsorge auf viele Beine zu stellen.

Denn nur so lässt sich eine finanzielle Sicherheit schaffen, mit der Sie ruhigen Gewissens das Alter genießen können und die auch in der Lage ist, eventuelle Kursschwankungen und Verluste auszugleichen.

Folgende Möglichkeiten der Altersvorsorge kommen für Sie als Freiberufler und Selbstständiger hier infrage:

Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung

 

Nutzung der staatlichen Vorsorge über Riester- und Rürup-Rente

 

Private Altersvorsorge

 

Anlage des Vermögens in verschiedenen Anlageprodukten

 

Geplanter Unternehmensverkauf vor der Rente

 

Für alle Freiberufler und Selbstständigen gilt, dass sie eine individuelle Strategie entwickeln müssen, mit der sie ihre Vorsorge sichern.

Was für den einen passt, muss für die Situation eines anderen nicht richtig sein.

Das freiwillige Einzahlen in die gesetzliche Rentenversicherung ist angesichts der Höhe der Beiträge nicht für jeden Freiberufler oder Selbstständigen möglich – diese Personengruppe sucht sich besser ein anderes Vorsorgeprodukt und nimmt gegebenenfalls die staatliche Förderung der Riester- und Rürup-Renten in Anspruch.

Wichtig zu klären ist dabei natürlich, ob Sie nicht verpflichtet sind, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen oder ob Sie sich eventuell von der Versicherungspflicht befreien lassen wollen.

Auch dann, wenn Sie bereits Rentenanwartzeiten erworben haben oder wenn Sie durch die Elternschaft die Kindererziehungszeiten angerechnet bekommen können, ist es ungünstig, die Möglichkeiten der gesetzlichen Rentenversicherung nicht zu nutzen.
Diese hat durchaus ihre Vorteile!
Lesen Sie doch hierzu unseren Beitrag “Mütterrente für Freiberufler und Selbstständige“.

Eine andere Personengruppe der Freiberufler, nämlich die der Ärzte, Architekten, Rechtsanwälte oder Steuerberater, ist ebenfalls zur Vorsorge verpflichtet, zahlt aber nicht in die gesetzliche Rentenversicherung, sondern in die berufsständischen Versorgungswerke ein.

Durch die Einzahlung in die gesetzlichen Einrichtungen wird der Anspruch auf regelmäßige Zahlungen im Alter gesichert, auch ein Anspruch auf eine Erwerbsunfähigkeitsrente wird erworben.

Allerdings sind die gesetzlichen Renten viel zu gering bemessen, als dass sich hiermit die gewohnten Ausgaben im Alter finanzieren ließen.

Selbst die Rentenversicherungsträger weisen inzwischen darauf hin, dass eine private Altersvorsorge als Zusatz unverzichtbar sei.

Ein Problem stellt dabei die wachsende Gruppe der Rentner bei gleichzeitig schwindender Anzahl der Beitragszahler dar – wenn weniger Beiträge eingezahlt werden, kann auch nicht mit einer Erhöhung der Rente gerechnet werden.

Dies war beispielsweise in den Jahren 2004 und 2007 der Fall.

Die private Altersvorsorge für den Selbstständigen

altersvorsorge-freiberuflerFreiberuflern und Selbstständigen bleibt nichts anderes übrig, als selbst für das Alter vorzusorgen und sich nicht allein auf die gesetzliche Altersvorsorge zu verlassen.

Dabei kommen hier verschiedene Möglichkeiten in Betracht. Zum einen müssen natürlich an erster Stelle die geförderten Vorsorgeprodukte Riester- und Rürup-Rente erwähnt werden, wobei die Riester-Rente nicht für alle Selbstständigen oder Freiberufler infrage kommt.

Interessant sind bei diesen staatlich geförderten Produkten vor allem die Zulagen, die für den Sparer selbst und für seine Kinder gezahlt werden.

Auch die steuerliche Behandlung ist relevant, werden diese Produkte doch erst mit der Auszahlung steuerpflichtig.

Auch die sogenannten klassischen Vorsorgeprodukte kommen infrage, wobei die früher übliche Lebensversicherung als Altersvorsorgemöglichkeit wohl ausgedient haben dürfte.

Die Kapitallebensversicherung ist das beste Beispiel dafür, wie sich die Altersvorsorge verschoben hat und wie wenig attraktiv manche Produkte geworden sind.

Vor einigen Jahren noch war der einzige Nachteil der Lebensversicherung als Sparprodukt, dass die Rendite eher gering war.

Steuerliche Änderungen haben jedoch bewirkt, dass diese Art der Versicherung fast zur Nullnummer geworden ist, das heißt, der Sparer gewinnt nicht wirklich etwas, wenn er auf diese Art und Weise vorsorgt.

Zumindest die Hälfte der Erträge muss bei Verträgen, die nach 2005 geschlossen wurden, versteuert werden – hier kann eine ziemlich hohe Summe zusammenkommen.

Privat kann aber auch zum Beispiel über die Anlage des Geldes in Investmentfonds nachgedacht werden.

Selbst ein Tagesgeldkonto kann zur kurzfristigen Geldanlage dienen, jedoch sind die Erträge auf solchen Konten momentan immer noch im Sinken begriffen.

Doch auch in Immobilien kann Geld gewinnbringend angelegt werden, wobei die Investition in Gebäude derzeit eine sehr attraktive Form der Geldanlage darstellt.

Die Renditen sind hoch und die gestiegene Nachfrage an Immobilien lässt noch kein Ende in Sicht treten.

Wichtig ist hier allerdings, auf die richtige Lage der Immobilien zu achten, ansonsten können diese lediglich noch selbst genutzt einen Vorteil bringen.

Neue steuerliche Behandlung der Alterseinkünfte

Im Jahr 2005 ist das Alterseinkünftegesetz in Kraft getreten und mit ihm wurde die Besteuerung der Alterseinkünfte neu geregelt.

Die Änderungen betreffen jeden, der für das Alter vorsorgt – egal, ob über die gesetzliche Rentenversicherung, über die berufsständischen Versorgungswerke oder über die landwirtschaftliche Alterskasse.

Selbst privat vorsorgende Menschen sind von den steuerlichen Änderungen betroffen. Die neuen Steuerregeln gelten nicht nur in der Ansparphase, sondern betreffen auch die Auszahlung der Beträge.

Damit steigt die Belastung im Alter – wo doch in dieser Zeit eine finanzielle Entspannung eintreten sollte. Folgende Rentenarten lassen sich unterscheiden:

Nachgelagert besteuerte Renten:
Renten aus der Rürup-Rente, Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung oder aus den berufsständischen Versorgungswerken sind hier zu nennen. 
Renten, die nur teilweise steuerpflichtig sind:
Hier wird der günstigste Ertragsteil besteuert, was für Renten aus der privaten Rentenversicherung zutrifft. 
Komplett steuerfreie Renten:
Renten aus der gesetzlichen Unfallversicherung werden komplett steuerfrei gewährt. 
Komplett steuerpflichtige Renten:
Hierzu zählen Riester-Renten oder betriebliche Altersrenten (diese sind für Freiberufler und Selbstständige nur dann relevant, wenn diese vor ihrer selbstständigen Tätigkeit als Angestellte gearbeitet und dort entsprechende Ansprüche erworben haben).

Für viele Rentenarten gilt die nachgelagerte Besteuerung.

Diese besagt, dass die Renten erst dann steuerpflichtig werden, wenn sie ausgezahlt werden.

In der Zeit der Ansparphase werden keine Steuern zur Zahlung fällig.

Außerdem steigt der steuerpflichtige Anteil der Rentenzahlungen, bis er überall 100 Prozent erreicht hat.

Wer also ab 2040 in Rente geht, muss seine Zahlungen komplett versteuern, diejenigen, die davor das Rentenalter erreicht haben, zahlen nur anteilige Steuern.

Dieser Minuseffekt wird aber leicht gemindert, weil dafür der Sonderausgabenabzug in der Steuererklärung steigt.

Das heißt, wer privat für das Alter vorsorgt, kann steigende Beiträge als Sonderausgaben ansetzen.
Damit sinkt der steuerpflichtige Betrag des Einkommens.

Die privaten Rentenversicherungen punkten in Bezug auf die Steuern allerdings, denn bei ihnen werden nur 18 Prozent der Rente steuerpflichtig, sofern die erste Rentenzahlung ab einem Alter von 65 Jahren erfolgt.

Steuerpflichtiger Anteil bei der gesetzlichen Rente:

Rentenbeginn Steuerpflichtiger
Anteil in %
Rentenbeginn Steuerpflichtiger
Anteil in %
2015 70 2028 88
2016 72 2029 89
2017 74 2030 90
2018 76 2031 91
2019 78 2032 92
2020 80 2033 93
2021 81 2034 94
2022 82 2035 95
2023 83 2036 96
2024 84 2037 97
2025 85 2038 98
2026 86 2039 99
2027 87 2040 100

Die Abgeltungssteuer und ihre Auswirkungen auf die Altersvorsorge

Durch die Bundesregierung wurde die Abgeltungssteuer beschlossen:

Diese besagt, dass 25 Prozent der Kapitalerträge, die über dem Freibetrag von 801 Euro für Ledige und 1.602 Euro für Verheiratete liegen, als Steuer abgeführt werden müssen.

Die Banken überweisen diese Steuer direkt an das Finanzamt – Sie als Sparer müssen hier nichts weiter unternehmen.

Wichtig ist daher, den Sparerpauschbetrag entsprechend anzupassen und so darauf zu achten, dass die Erträge diesen Pauschbetrag eben nicht übersteigen.

Die Abgeltungssteuer ist für die Sparer interessant, die einen persönlichen Steuersatz haben, der über 25 Prozent liegt. Diese steuerliche Änderung betrifft aber nicht die Sparer, die mit der Riester- oder Rürup-Rente für ihr Alter vorsorgen oder die in private Rentenversicherungen einzahlen.

Auch die Erträge, die durch vermietete Immobilien erzielt werden, sind nicht von der Änderung betroffen.

Für Kapitallebensversicherungen ist die Abgeltungssteuer dann relevant, wenn die Versicherungen vor ihrem regulären Ende verkauft oder gekündigt werden.

Wurden die Verträge vor 2005 geschlossen, wird die Abgeltungssteuer fällig, wenn die Verträge bis maximal zwölf Jahre liefen. Verträge ab 2005 sind von der Abgeltungssteuer betroffen, wenn der Kunde bei Vertragskündigung oder Verkauf noch keine 60 Jahre alt ist.

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